Sonntag, 9. Oktober 2016

Rezension --> Sandra Wiedemann - Am Ende aller guten Hoffnung, Sterbehilfe im Mutterleib?


>>Je genauer du planst, desto härter trifft dich der Zufall!<< (Franz Kafka)

Mein Satz dazu lautet: Das Leben passiert, während wir Pläne machen und genau das ist Sandra und ihrer Familie widerfahren. Als Optimistin möchte die Autorin möglichst schnell ein zweites Kind, am liebsten ein Mädchen, denn der Abstand zum zweijährigen Sohn soll nicht zu groß sein.
Nach über der Hälfte der Schwangerschaft stellt sich heraus, dass das *Universum*, bei dem sie die Bestellung >>Ich bin schwanger mit unserer kerngesunden Tochter<< aufgab, einen Teil der Order *übersehen* hat, denn die sehnsüchtig erwartete Tochter ist schwerstbehindert und nicht lebensfähig.

Was für ein Schock für die gläubige Katholikin, für die schon als Teenager sowohl eine Scheidung als auch Abtreibung ein Ding der Unmöglichkeit waren (auch wenn in diesem Bereich das Leben schon ihren Weg kreuzte).

Soll sie nun warten, bis ihr Baby im Mutterleib stirbt oder soll sie es ungeboren erlösen? Und damit auch sich selbst, denn immerhin stehen ihr noch gute 15 Wochen Schwangerschaft bevor. Eine Entscheidung, die ihr niemand abnehmen kann, die sie für sich ganz alleine treffen muss, denn das letzte Wort dabei hat sie, auch wenn sie die Pros und Kontras ausführlich mit ihrem Ehemann bespricht.

Zu diesem Buch ließ mich meine eigene Erfahrung greifen, denn vor einigen Jahren habe ich die Mutter meines zukünftigen Patenkindes ins KKH begleitet, als die Eltern beschlossen, dass dieses wegen Trisomie 21 nicht ausgetragen werden soll.

Dass Sandras Geschichte dann doch ganz anders ist, merkte ich beim Lesen, denn sie wäre froh gewesen, hätte ihre Tochter *nur* Trisomie 21 gehabt hätte, damit wäre sie lebensfähig gewesen. (Wobei bei circa 90% aller an Trisomie 21 *leidenden* ungeborenen Babys ein Schwangerschaftsabbruch vorgenommen wird).
Dennoch habe ich mit Sandra mitgelitten, ihre Gedanken und ihre Versuche, vielleicht doch noch eine Lebenschance für das geliebte Kind zu finden, nachvollziehen können. Neben der verzweifelten Suche nach der *richtigen* Aktion taucht das Gefühl auf, dem *großen* Kind nicht mehr gerecht zu werden, den Ehemann nicht zu verlieren und vielleicht doch die falsche Wahl zu treffen.

Ich bewundere den Mut, mit dem die Autorin als Debüt diesen Erfahrungsbericht geschrieben hat, aus jedem Wort ist die Liebe zu ihrem von Anfang an todgeweihten Kind zu spüren, auch wenn das erst so spät zutage trat, so dass der Abbruch ganz andere Konsequenzen hatte und Maßnahmen erfolgen mussten, die zu einem früheren Zeitpunkt nicht hätten sein müssen. Ich schätze die Kraft, mit der Sandra ihre Tochter gehen lassen konnte und wünsche ihr alles Gute für die Zukunft.
Allein durch die Gefühle, die bei so einem Thema während des Schreibens nicht zu unterdrücken und auf jeder Seite spürbar sind, ist das Buch kein trockener Ratgeber, sondern eine Geschichte, die den Leser mitfühlen und mitleiden lässt.
Danke dafür, fünf Punkte reicht mir mein Sternenpatenkind Hanna und sucht nach Angel Marie, um sie zu drücken.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen