Freitag, 2. Dezember 2016

Interview --> Christian Raabe

Ganz frisch auf dem Autorensofa niedergelassen hat sich der junge Mann, den ich mir nicht nur für ein Interview, sondern auch als Autor für die *wandernden Rezensionsbücher* geschnappt habe und ich wünsche mir, dass sein Kopf noch ganz viele Ideen haben wird. Treffen könnt ihr in seiner Geburts- und Heimatstadt Berlin, also wer dort öfter zugange ist, guckt mal, ob er euch über den Weg läuft (und ich kann mir vorstellen, dass er nicht immer so ernst guckt)



Steckbrief
Name: Christian A. Raabe
Geboren am/ in: 08.05.1968 in Berlin
Wohnort: Berlin
Familienstand: geschieden
Kinder: 2 Kinder


Am liebsten hab ich: genügend Zeit, um mich um die vielen Stimmen in meinem Kopf zu kümmern, weil das alles Geschichten sind, die darum buhlen, aufgeschrieben zu werden.

Gar nicht mag ich: Menschen, die in allem eher Probleme sehen, als die Schönheit eines Augenblicks zu bemerken.

Erzähl doch ein bisschen über dein bisheriges Leben
Ach, das klingt gerade so, als gäbe es da viel zu berichten. Na gut, schaun wir mal: Ich kann mit meinem bisherigen Leben wirklich zufrieden sein.
Schon allein Autor zu sein entschädigt einen für viele Dinge, die im alltäglichen Leben eben sein müssen.
Bei dem Job, der dafür sorgt, dass das eine oder andere Brötchen auf den Tisch kommt, habe ich es gut getroffen, denn ich kann hier ebenfalls oft meine Kreativität ausleben.
Als glücklichen Umstand kann man es auch bezeichnen, dass meine Ehe, trotz der Tatsache, dass sie sich als Fehlversuch herausgestellt hat, nicht in einem Rosenkrieg geendet hat. Stattdessen habe ich einen Kontakt zu meiner Ex und den Kindern, den man sich besser nicht wünschen kann. Zusätzlich dazu bin ich frisch verliebt.
Ich interessiere mich für sehr verschiedene Musikrichtungen. Von Bach über Nat King Cole bis hin zu Skrillex und Disturbed (schon vor der Opel-Werbung) kann ich mit fast allem etwas anfangen. Was noch …? Ich bin eher Nachteule, als Frühaufsteher, mag Tanzen lieber, als Fußball und wenn ich ein Haustier hätte, dann wäre es eine Katze – am liebsten eine Werkatze ;-).


Wie bist du dazu gekommen, zu schreiben? Und warum ausgerechnet in diesem Genre?
Ich meine, mich erinnern zu können, dass ich in der Schule für meine Aufsätze meist eine schlechte Note bekam, allerdings hauptsächlich deswegen, weil ich aus allem immer eine Geschichte machen wollte und die Zeit für einen ordentlichen Abschluss leider viel zu kurz war. Geschichten haben mich demnach schon immer interessiert.
Den eigentlichen Schritt zum – mehr oder weniger professionellen – Produzenten von Geschichten habe ich aufgrund einer Geschichte getan, die mich völlig unerwartet im Stich ließ.
Stellt euch vor, dass ich eine Fantasy-Reihe Buch um Buch mit wachsender Begeisterung verfolgt habe, um dann mit einem Mal nicht nur eine komplette Kehrtwendung der Story vorzufinden, sondern auch noch – gefühlt mitten in der Handlung – von ihr sang- und klanglos verlassen zu werden. Das war für mich damals wie eine Mischung aus plötzlichem Todesfall und „Sagt mal, wollt ihr mich verar …?“ Ich dachte zuerst, dass ich einen Fehldruck erwischt hätte und suchte nach anderen Exemplaren – damals in den Neunzigern, ohne Internet etc. ein schwieriges Unterfangen. Als ich jedoch andere Exemplare des Buchs in die Finger bekam, musste ich feststellen, dass auch sie an der gleichen Stelle aufhörten. Da ich auch keine weiteren Bücher aus der Reihe fand, ließ ich es zähneknirschend sein, aber mein Hirn wollte sich einfach nicht damit zufriedengeben und führte die Handlung für sich fort. Irgendwann musste ich einfach anfangen, sie aufzuschreiben, um auch mal wieder an etwas Andres denken zu können. Erstaunlicherweise orderte eine Bekannte, die die Reihe ebenfalls kannte, sofort eine Fortsetzung, nachdem sie die paar Seiten, die ich verfasst hatte, gelesen hatte. Als mir bewusst wurde, dass Anderen das gefällt, was ich schreibe, gab es kein Zurück mehr.
Warum ich mir ausgerechnet Urban-Fantasy ausgesucht habe, ist gleichzeitig schwer und leicht zu beantworten. Ich schreibe das, was ich auch gern lese. Fantasy nimmt dabei einen großen Teil ein, also erscheint es logisch, dass das „mein“ Genre ist. Ganz so einfach ist es aber doch nicht. Es sind die Ideen in meinem Kopf, die bestimmen, was ich schreibe. Bis zum letzten Jahr dachte ich zum Beispiel, das ich zwar Krimis mag, aber nie einen schreiben könnte. Und dann kam diese Idee, die dazu führte, dass ich mein erstes Krimi-Manuskript gerade vor kurzem beendet habe. Noch während ich daran arbeitete, schoss mir ein Setting für eine dystopische Geschichte durch den Kopf, die ich vermutlich als nächstes Projekt verfolgen werde, es sei denn, es kommt etwas dazwischen – eine Space-Opera vielleicht … oder High-Fantasy … Ich bin selbst gespannt.


Was bitte ist eine *Werkatze*? Und warum genau würdest du so eine haben wollen?
Okay, das war wohl eine Steilvorlage von mir ;-) Aber die Frage ist eigentlich leicht beantwortet. Eine Werkatze ist – wie jedes andere Werwesen auch – ein Gestaltwandler, der in diesem Fall in der Lage ist, sich in einen menschlichen und einen Katzenkörper zu verwandeln. Da ich gerade zum wiederholten Mal die Eragon-Tetralogie höre, hätte ich einen prominenten Kandidaten anzubieten: Solembum kommt zumindest in den ersten drei, wenn nicht sogar in allen, Teilen vor und gestaltet die Geschichte äußerst kurzweilig.
Warum ich ein solches Wesen bei mir haben wollte? Nun ja, zum einen mag ich Katzen mehr, als Hunde und zum anderen hätte eine Werkatze den Vorteil, dass man sich wirklich mit ihr unterhalten könnte, von den seherischen Fähigkeiten mal ganz abgesehen.


Dein *Hirn* bestimmt dein Leben schon ziemlich, meine ich herauszulesen ;) Liegt das daran, dass es ziemlich voll ist und dir deine Geschichten quasi auf dem Silbertablett serviert? Oder entscheidest du auch manchmal aus dem Bauch?
Ja, in der Tat habe ich, nachdem ich angefangen hatte, das aufzuschreiben, was mir die Figuren in meinem Kopf so zuflüstern, festgestellt, dass plötzlich auch viel mehr Raum dafür vorhanden ist, um mir alltägliche Dinge zu merken. Vorher hatte ich im Vergleich dazu ein Kopf, wie ein Sieb. Da kannst du meine Ex-Frau fragen ;-)
Allerdings würde ich sagen, dass ich ansonsten oft aus dem Bauch heraus entscheide – manchmal weiß der es sogar besser, als der Kopf, wie zum Beispiel beim Thema Krimi. Mein Kopf hat mir ständig vorgebetet: „So, wie du schreibst, klappt das mit einem Krimi nie. Da muss man plotten ohne Ende. Du setzt dich doch einfach hin und fängst an, zu schreiben.“ Doch der Bauch sagte Ende des letzten Jahres plötzlich, als ich noch dabei war den zweiten Teil von BAT Boy zu überarbeiten: „Was wäre, wenn es da eine Person gäbe, die in der Lage ist, sich die modernen Medien für ihre Zwecke zunutze zu machen? Wenn diese Person darüber hinaus so kaputt im Kopf wäre, dass es keine hehren Zwecke wären? Was müsste dieser Person zustoßen, um sie zu dem zu machen, was sie ist …?“ Damit waren alle Zweifel des Kopfes hinweggefegt und ich habe noch während der Überarbeitung der Fantasy-Geschichte in Gedanken geplottet. Geschrieben habe ich es dann aber doch wieder „einfach so“. Bisher hat es den Testlesern aber gefallen.


Urban-Fantasy, Krimi, Dystopie ….. was kannst du dir noch *nicht* vorstellen und schreibst es dann gegebenenfalls vielleicht eventuell doch?
Inzwischen bin ich vorsichtig geworden, mir etwas nicht vorstellen zu können. Aber ich muss zugeben, dass die notwendigen Recherchearbeiten für historisch korrekte Geschichten à la „Medicus“ meine beschränkten zeitlichen Ressourcen momentan bei weitem übersteigen. Vielleicht, wenn ich mal in Rente bin …
Ein weiteres Thema ist „Chick Lit“ bzw. „LiRo“ … Ich habe zwar auch aus diesem Genre schon das eine oder andere Werk gelesen, aber in mir ist wahrscheinlich nicht genug „Drama, Baby“, um da etwas wirklich Überzeugendes zu fabrizieren. Allerdings habe ich schon seit der Zeit, als der erste Teil meines BAT Boy fertig geworden war, den Anfang einer augenzwinkernden Gesellschafts-Story zum Thema „Dating“ in der Schublade, die ich aber vermutlich unter einem anderen Pseudonym veröffentlichen werde, wenn es mir einmal gelingt, sie fertigzustellen.


Ein ganz herzliches Dankeschön, lieber Christian für deine schnellen und ausführlichen Antworten. Ich bin schon ganz gespannt darauf, was von dir lesen zu dürfen und kann mir vorstellen, dass deine Bücher gut in der Gruppe ankommen werden.

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