Donnerstag, 8. Dezember 2016

Interviews --> Elke Becker

Der lieben Elke Becker war es dieser Tage etwas langweilig, nachdem sie ihr neuestes Manuskript bei der Lektorin abgegeben hatte und so hab ich sie schnell gefragt, ob sie Zeit für ein Interview hat ;) Und sie hatte :)

Wenn ihr also Neues oder überhaupt etwas erfahren wollt über eine der Initiatorinnen von "Das Autorensofa", dann lest hier, denn meine Fragen gingen tatsächlich ein bisschen ans *Eingemachte*

Und falls ihr mal in Palma seid, also der Hauptstadt von Mallorca, dann passt auf, ob sie euch über den Weg läuft, die sympathische Ulmerin, die tatsächlich fast immer dieses betörende Lächeln im Gesicht hat

 
Steckbrief
Name: Elke Becker
Geboren am/ in: Ulm
Wohnort: Palma
Familienstand: ledig
Kinder: keine
 
Erzähl doch ein bisschen über dein bisheriges Leben
Geboren wurde ich im schwäbischen Ulm. Dort wuchs ich mit zwei Geschwistern auf. Ich bin also das, was man ein „Sandwich-Kind“ nennt. Die Mittlere. Reiselustig war ich schon immer, und so schnürte ich mit 18 Jahren meinen Rucksack und zog das erste Mal im Leben wochenlang durch Süd-Amerika. Ab da waren diese Reisen mein jährliches Highlight und meiner Mutter Alptraum. Neben meinem Sekretärinnenjob ging ich kellnern, weil der ganze Spaß auch finanziert werden musste.
Das südamerikanische Leben faszinierte mich jedoch so, dass ich mit 30 meinen Job als Vorstandssekretärin hinschmiss, um ein Jahr nach Venezuela zu gehen, um dort endlich Spanisch zu studieren. Meine Eltern waren entsetzt, meine Freunde überrascht und ich endlich happy und frei.
In Venezuela begann ich regelmäßig zu schreiben. Es entstanden zwei Romane (damals nicht vorzeigbar). Nach der Zeit in Venezuela war mir Deutschland noch fremder geworden. Also packten meine Schwester – wir haben die gleichen Reisegene mit auf den Weg bekommen – und ich unsere 7 Sachen – eine davon war unsere schwarze Katze – und machten uns in der Dominikanischen Republik mit einer Sprachschule selbständig. Die Schule lief super – hatten auch lange geplant –  doch stieg die Kriminalität sprunghaft an, was unsere Freiheit doch sehr einschränkte. Schweren Herzens schlossen wir die Schule nach knapp 2 Jahren und landeten mit neuen Erfahrungen, einem weiteren Romanmanuskript (ebenfalls nicht vorzeigbar) und unserer Katze im Gepäck wieder im Schwabenland. Krasser konnten die Unterschiede nicht sein.
So landeten wir letztlich alle 3 in Spanien. Und das auch noch auf Mallorca, wo ich nie hinwollte. Und ausgerechnet auf dieser Insel fühle ich mich seit 11 Jahren heimisch- ich bin endlich angekommen. Die Insel ist einmalig schön – wenn man den Ballermann auslässt – und ich habe endlich das perfekte Umfeld für mich gefunden. Südländisches Lebensgefühl gemischt mit spanischer Sprache und Musik. Sonne, Meer und Strand und arbeiten muss man schließlich überall!

Wie bist du dazu gekommen, zu schreiben? Und warum ausgerechnet in diesem Genre?
Das Schreiben habe ich zufällig für mich entdeckt. Als ich allein in Venezuela war, erlebte ich natürlich viel. Schwer machte es mir anfangs die mangelnden Sprachkenntnisse auf beiden Seiten. Dort sprach niemand Englisch oder gar Deutsch und ich? Ich stand ganz am Anfang, die spanische Sprache zu lernen. Das führte oft zu lustigen Missverständnissen, aber ehrlich gestanden, fühlte ich mich zu Beginn auch oft einsam. Also schrieb ich eine Art Reisetagbuch am heimischen PC. Internet gab es nicht, also habe ich meine Erlebniss in zwei Versionen (die jungendfreie für meine Eltern und die zweite ehrliche Version an meine Schwester und meine Freunde) auf Diskette gezogen und bin wöchentlich ab ins Internetcafe, um das alles auf den Weg zu bringen. Meine Freunde bescheinigten mir ein gewisses Schreibtalent, aber hey, das waren ja auch meine Freunde 
Als ich dann meinen ersten Roman schrieb und stolz die Verlage anschrieb, kam es, wie es kommen musste. Es hagelte Absagen und mit etwas Abstand war das für mich auch nachvollziehbar. Also belegte ich Kurse und zurück in Deutschland machte ich auch eine Ausbildung zur Drehbuchausbildung, was sehr geholfen hat. Ab da schrieb ich endlich gut ausgerüstet weiter.
Ich bin ja quer durch die Genres unterwegs. Für mich steht immer die Geschichte im Vordergrund, die erzählt werden möchte. Es geht dabei eigentich immer um Liebe. Ob es die Liebe zum Leben, zur Wahrheit, zu einem Menschen oder zur Gerechtigkeit geht, spielt für mich keine Rolle und so gibt es von mir auch Liebesgeschichten, Frauenromane, Krimis und auch Fantasy. Mit einer Kollegin arbeite ich sogar an einer Familiensaga.
Unter meinem echten Namen Elke Becker schreibe ich Frauenromane. Oftmals sind eigene Erlebnisse und Beobachtungen während meiner Reisen in meine Romane eingeflossen. Je unglaublicher es klingt, desto mehr Wahrheit steckt in den einzelnen Szenen. Vor allem Ticket ins Glück beinhaltet viel von meiner Zeit aus Venezuela und der Dominikanischen Republik.
Da ich auch eine kriminelle Ader habe und gerne mal in meinen Romanen auch Morde begehe, Intrigen spinne und ein Faible für Gerechtigkeit habe, gibt es eben auch Krimis von mir.
Für den Fantasy-Bereich entschied ich mich für ein Pseudonym. J. J. Bidell.


Deine ersten – nicht vorzeigbaren – Werke, liegen sie noch in einer deiner Schubladen? Liest du sie ab und an noch? Oder denkst du daran, sie vielleicht zu überarbeiten und zu veröffentlichen?
Meinen ersten Roman habe ich komplett umgearbeitet und er kam dann unter „Ticket ins Glück“ heraus. Es ist zwar noch einiges an Versatzstücken übriggeblieben, aber wirklich vergleichbar sind die beiden Romane gar nicht mehr. Der Plot ist komplett anders. Es wurden nur noch einige Begebenheiten mit den in den Roman aufgenommen.
Dann gibt es noch einen sehr persönlichen Roman. Drei Verlage fanden ihn recht gut, aber ich hätte ihn als Biographie betiteln müssen – da es auch eine ist – oder ihn in vollem Umfang als Genre-Roman umarbeiten müssen. Dazu war ich nicht bereit. Zum einen ist es so persönlich, dass ich das nicht als Biographie öffentlich machen wollte und als Genre-Roman konnte ich ihn mir auch nicht vorstellen. Er liegt also auf Eis. Natürlich sind seither viele Jahre vergangen, aber dennoch habe ich mich nicht mehr an das Skript gewagt. Der Roman wird vermutlich niemals aus der Schublade kommen.


Venezuela, Dom Rep, Mallorca …. Abgesehen davon, dass du inzwischen perfekt spanisch sprichst *neidvollschau …. Wo meinst du, war es am interessantesten? Wo hast du am meisten für dich  mitnehmen können? Hast du klitzekleine Anekdoten für uns, die dir das Leben dort besonders schwer oder besonders leicht gemacht haben, machen?
Die Länder sind so unterschiedlich, dass es schwer ist, das zu beschreiben. In Venezuela habe ich natürlich viel gelernt und aus meiner ersten Einsamkeit das Schreiben für mich entdeckt. Das habe ich auch bebehalten, als ich Freunde gefunden hatte, nachdem nach einigen Wochen eine Verständigung möglich war. Ich habe mich dort eigentlich sehr wohl gefühlt, bis der Militärputsch zu heftig wurde und auch auf offener Straße geschossen wurde. Das wollte ich dann doch nicht weiter erleben und im Gegensatz zu den Einheimischen, hatte ich die Möglichkeit zu gehen. Das habe ich dann auch getan.
Schwer war es dort, Arbeit zu finden. Ein Arbeitsvisum kann nur erteilt werden, wenn du eine Stelle vorweisen kannst. In den Hotels hätten sie mich nach meinem Spanischstudium mit Kusshand genommen – nur hätten sie 7 Monate gebraucht, um an ein Visum für mich zu kommen. Also habe ich „schwarz“ gearbeitet. Telefonhotline eines Timeshare-Hotels, aber auch in einem Wettbüro. Das war abenteuerlich. Aber noch schwieriger war es, nicht ständig ausreisen zu müssen. Das Touristenvisum ist nur 3 Monate gültig, dann muss man das Land verlassen und neu einreisen. Ein Irrsinn, der nur Geld kostet, da man ja jederzeit wieder ohne Probleme einreisen darf. ABER – Südamerika wäre eben nicht Südamerika, wenn es nicht für alles eine Lösung gäbe. Weil immer jemand jemanden kennt, der jemanden kennt, der am Flughafen arbeitet und für kleines Geld seine Stempel im Reisepass verewigt. Ja, man muss in solchen Ländern eben tricksen, was mir oft schwerfiel, da ich eine ehrliche Seele bin.

In der Dominikanischen Republik liefen die Uhren nicht so viel anders. Das Leben dort ist schwer, wenn man arbeitet und seine Brötchen verdienen will. Dort lief alles „offiziell“, unsere Schule war eingetragen, die Firma gegründet, wenn es auch über 1 Jahr gedauert hat, bis wir alle Genehmigungen vorliegen hatten. In der Zeit ist so einiges losgewesen. Telefon und Internet beantragen wird zu einer Mammutaufgabe, aber auch Strom und Wasser sind immer wieder ein Problem. Wer es genau wissen will, was die Probleme so waren, kann gerne mal in Ticket ins Glück reinschauen. Dort finden sich unzählige Erlebnisse, die genau so geschehen sind, wobei ich auch einige Episoden aus Venezuela mit eingeflochten habe. Das Leben dort ist der Irrsinn. Man weiß morgens nie, wie der Tag endet. Die Schule haben wir schweren Herzens aufgegeben, denn sie lief wirklich vom ersten Tag an super. Vormittags haben wir noch die Betten gekauft und nachmittags kam schon die erste Schülerin an. Als aber dann unsere Schüler der Reihe nach regelmäßig ausgeraubt wurden, haben wir unseren Lebensplan dann doch nochmals umgeworfen.
Tja, und so sind wir auf Mallorca gelandet. Viele Auswanderer klagen, es sei so schwer, die Bürokratie so mühsam, alles quasi schlecht zu bewältigen. Für uns war es wie ein Kindergeburtstag. Im Vergleich zu unseren vorigen Wohnorten, ging hier alles wie von selbst. Ich bin angekommen und habe mich vom ersten Tag an wohl gefühlt. Ich habe auf der Insel alles gefunden, was ich jahrelang gesucht habe. Spanische Lebensmentalität gepart mit ausreichender Sicherheit. So schnell wird sich mein Wohnort also nicht mehr ändern. Ich bin nun seit 11 Jahren hier und so lange war ich noch nirgendwo, wenn man meine Kindheit im Elternhaus mal abzieht.

In deinen Büchern geht es fast immer um die Liebe. Wie sieht es privat aus? War tatsächlich nie DER dabei, mit dem du alt werden wolltest?
Ja, das tut es. Und wenn es nicht DIE Liebe ist, dann doch die Liebe zum Leben, zur Gerechtigkeit oder zum Abenteuer.
Tja, das ist nun schon eine sehr private Frage… aber im Grunde kann ich sie auch beantworten, da ich kein Geheimnis daraus mache. Wenn ich mich mal als „Deckelchen“ bezeichne, würde ich sagen, die „Töpfe“ haben sich bisher nur für einen gewissen Lebensabschnitt als passend erwiesen. Ich mache es aber auch keinem Mann leicht. Einmal stand ich kurz davor, bis ich ganz tief in mich gegangen bin und mich gefragt habe, ob ich das überhaupt alles will. Also heiraten, Haus kaufen, Kinder bekommen. Und die Antwort war NEIN. Ich bin ein Freigeist und viel zu abenteuerlustig für eine Familie. Zudem habe ich mich in Deutschland nie wirklich wohl gefühlt. Ich habe dort nur auf meine Reisen hingearbeitet. Und die „Töpfe“, die mich in Deutschland begleitet haben, waren nicht bereit, für das Abenteuer Ausland ihr Leben in Deutschland aufzugeben. Das ging natürlich bei so unterschiedlichen Lebensplanungen nie lange gut.
Vielleicht gibt es nicht für jeden DEN einen, oder vielleicht kommt er bei mir ja noch vorbei ;-) Aber wenn nicht, ist das nicht tragisch. Ich liebe mein Leben, genauso wie es ist. Denn ich habe ja DIE gefunden, die mit mir alles mitmacht. Meine Schwester. Wir gehen gemeinsam durch dick und dünn. Und wir leben seit 15 Jahren zusammen. Sie ist meine Seelenverwandte. Und wir sind beide zwischenzeitlich auch in einem Alter, wo man Männer nur noch ambulant und nicht mehr stationär aufnehmen würde. Dazu haben wir uns unser Leben viel zu gut eingerichtet. Das echte Leben ist selten wie ein Liebesroman. Denn bei einem Liebesroman blendet man ja aus, sobald sich die beiden gefunden haben. Und das ist ja der Zeitpunkt, an dem es eigentlich erst richtig losgeht. Bei allem Realitätsbewusstsein bin ich trotzdem eine romantische Seele, wenn generell auch meine Protagonistinnen immer starke Frauen sind, die genau wissen, was sie vom Leben wollen und wenn sie es noch nicht wissen, werden sie es auf dem Weg in ihr persönliches Happy End herausfinden.
Noch was zum Abschluss: Die Sache mit dem „alt werden“. Um ehrlich zu sein, sehe ich mich schon im hohen Alter in einer Senioren-WG. So eine habe ich in Kuba erleben dürfen und es erschien mir eine sehr schöne Sache. Die alten Herrschaften hatten so viel Spaß zusammen, dass mir genau so etwas im Alter vorschwebt.

 
Vielen herzlichen Dank, liebe Elke, für deine Zeit und deine offenen Antworten, die Fragen dazu hast du selber provoziert mit den ersten Antworten, aber da müssen alle meine Interviewpartner durch ;)
Schade, dass du so viel jünger bist als ich, mit dir in der Senioren WG könnte ich mich auch wohlfühlen.
 
Und tatsächlich hab ich das "Ticket ins Glück" selber schon gelesen und dachte damals schon beim Lesen, dass da sicher ganz viele eigene Erfahrungen mitspielen. Wer übrigens Lust hat, es zu lesen und zu rezensieren, darf gerne Mittglied in meiner Facebookgruppe der *wandernden Rezensionsbücher* werden.

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