Sonntag, 22. Januar 2017

Rezension --> Markus J. Beyer - Lamantin, Aufbruch ins Ungewisse


Der Leser reist ans Ende des 19. Jahrhunderts, den Beginn der motorisierten Fahrzeuge, des elektrischen Lichts, des Ausbaus der Eisenbahn und er wird teilweise staunen, wie es damals war. Gerade Jugendliche, für die dieses Buch hauptsächlich geschrieben wurde, werden große Augen machen, dauerte doch eine Reise mit einem der ersten Motor-Lastwagen von Stuttgart nach Venedig mit entsprechenden Pausen knapp drei Wochen und bei der Überquerung der Alpen war gar noch die Hilfe eines Ochsen nötig, um das Gefährt zu ziehen.

Das alles wissen der 12 jährige Thilo und Paul nicht, als sie aufbrechen, um Undine, ein Meerwesen, das in einem Aquarium im Naturalienkabinett gefangen gehalten wird, in ihre Heimat zurück zu bringen.
Das ist natürlich nicht ganz rechtens, sodass sie nicht unbehelligt bleiben auf ihrer Reise. Noch dazu ist Thilo keine große Hilfe, sitzt er doch wegen eines Unfalles mit einer Kutsche im Rollstuhl, den sein Vater, der Schreiner ist, selbst erfunden und gebaut hat. Entsprechend sperrig und unhandlich ist das *rollende Ding*, sodass er es schweren Herzens irgendwann doch zurücklässt.


Dies alles und noch viel mehr hat Markus spannend erzählt und die angesprochenen Teenager (ab 10 Jahren) können viel lernen, nicht nur über den Fortschritt, den die Zeit bis heute gemacht hat, sondern auch über menschliche Grenzen, Zuversicht, Hilfe für andere und (Selbst-)Vertrauen.
Ich habe das Buch *zwischendurch* gelesen, immer dann, wenn für wenige Seiten Zeit war (und das war dann immer mindestens ein Kapitel) und vergas trotzdem jedes Mal alles um mich herum, denn der Autor hat eine fesselnde Schreibweise, die weder langweilt noch zu sehr aufputscht, auch wenn manche Krimielemente vorkommen.
Ein ganz tolles Jugendbuch, fünf Chaospunkte von mir und noch ein Zitat, das ich mir markiert hatte: Celestina (sie lernen Paul und Thilo unterwegs kennen) sagt zu Thilo:

>>Manchmal müssen wir Dinge tun, die für uns selbst unendlich wichtig sind, auch wenn es die Menschen, die uns lieben, nicht verstehen können. Aber es ist wichtig für unsere Seele - damit sie sich aus den niederen Gefilden der Angst aufrichtet und gesund und stark durchs Leben wandeln kann.<<


Kommentare:

  1. Hallo Gabi,

    nun ich hoffe, dass der Junge Thilo besser gehandelt wird durch seine Umwelt als das in dieser Zeit wirklich geschehen ist.

    LG...Karin...

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    1. Teils teils, liebe Karin, wie heute halt auch ;)

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